Mamita mit einer Woche lang Coca-Cola

15 04 2011

Es ist Ende der Woche und ist Zeit wieder etwas zu berichten. Die Woche ging schnell um, sie war zum einen spannend zum anderen sehr anstrengend. Denn ich habe es geschafft mir die 2. Lebensmittelvergiftung einzufangen. So schleppte ich mich mit Übelkeit Dienstag Nachmittag noch zu Arbeit, Mittwoch verbrachte ich Cola trinkend jedoch im Bett. Inzwischen bin ich mehr oder weniger wohlauf.
Es ist weiterhin sehr schwierig im Büro zu kommunizieren (alle Leute verstehe ich soweit, nur die Mitarbeiter scheinen eine andere Sprache zu sprechen). Daher habe ich mir ebenfalls in Tobi’s gemeinnütziger Sprachschule Sprachstunden organisiert, jede Mittagspause eine Stunde, aus Hoffnung darin bald fitter zu sein. Es macht mir sogar großen Spaß hinzugehen, meine Sprachlehrerin ist total nett und verquatscht und ich verstehe fast alles was sie sagt, dass mir gleich den Tag rettet!
Ansonsten habe ich jetzt im Guaman Poma de Ayala (GPA) die Aufgabe bekommen, eine Landschafsplanung zu erstellen inklusive der Platzierung von einem Salón Communal (Bürgerhaus) und Bildungseinrichtungen. Das Gebiet befindet sich an Cuscos Stadtrand auf einem 60-85% steilem Hang in einem Armenviertel. Nachdem ich Dienstag das Vergnügen hatte mit Abel (Architekt + Stadtplaner) ein Treffen mit dem Bezirksvertreter zu haben. Abel war so freundlich uns alleine zu lassen, so dann wir peinlich 10min schweigend am Tisch saßen oder der Einheimische redete und ich verstand bei seinem Genuschel so gar nix… Heute war das zweite Treffen zu diesem Planungsgebiet, in der Cafeteria des GPA. Diesmal war aus jedem Quartier ein Vertreter da, es waren insgesamt 6 Leute da, 5 Männer und eine Frau. Abel leitete dieses partizipative Treffen. Da die Indigenas quasi noch nie einen Plan gesehen hatten und wahrscheinlich auch nicht alle lesen konnten, ging es ganz langsam los. Nach einer Erklärung durfte jeder sein Haus und das eines Freundes suchen und bunt anmalen. Anschließend wurde die Haupt- und Nebenstraßen markiert sowie fehlende Straßen und Erschließungen aufgezeigt. Anschließend ging es an die Lokalisation eines sehr wichtigen und leider sehr häufigen Problems: Der Regen, der in der besonders in der Regenzeit Schlammlawinen auslöst, (Lehm-) Häuser feucht hält/ Fundamente zerstört und Straßen über- oder gar weg-flutet. Es wurden Orte markiert, die verbessert werden sollen und auch können.
In einem weiteren Plan wurde die vorgesehen Grundstücke für den Salón Comunal (Bürgerhaus), Educación und Recreación publico angeschaut und geguckt ob diese Grundstücke noch frei oder schon bebaut sind. Denn vor allem in den Vororten funktioniert es bei einem Hausbauwunsch so, dass man sich einfach ein freies Grundstück sucht und dieses bebaut. So entstehen ganze informelle Siedlungen, die gegebenenfalls erst Jahre später legalisiert werden. Strom bekommt man meist über die nächstgelegene Straßenlaterne und die Wasserversorgung wird oberirdisch über Rohre geregelt. Diese sind dort sehr anfällig, besonders in der Regenzeit. Wirkliche Erschließung findet erst im formalen/legalen Zustand statt, auch wenn diese nicht mit der Europäischen vergleichbar ist und gerade in den Vororten weiterhin oberirdisch in schlechten Rohren verläuft. Unser Planungsgebiet wurde 2006 legalisiert, trotzdem gibt es noch einige Häuser ohne Wasser- oder Abwasserversorgung (desagüe) beziehungsweise andere die besonders hoch liegen (3800m) haben nur 1-2std am frühen Morgen das Glück von fließendem Wasser. Auch die Elektrik erschließt nicht das ganze Gebiet.
Für unsere Planung ist noch relevant, dass sich in diesem Gebiet keinerlei Spiel-,Sport oder ähnliche für die Allgemeinheit bestimmte Plätze befinden, es ist nun meine Aufgabe diese zu planen.

Eine schöne Eigenheit in Cusco ist es, sich egal wie alt man ist, als Mama bzw Mamita oder als Papa, Papita anzusprechen. So sprach Abel die Indigena heute als Mama an und Abel, der im Büro schon nur der Abelito ist, war bei dem Treffen nun der Papa. Auch ich wurde heute durch die Mama, die bestimmt 60 war, zu einer Mamita. Ich habe es jetzt schon häufig erlebt, diese Woche besonders stark, dass wenn man jemand etwas Gutes tun will, dass man ihn zu Coca-Cola einlädt. Das scheint eine Vorstellung von Luxus oder etwas Gutem zu sein. So kam die Mama heute mit einer 3 Liter Flasche Coca-Cola zum Treffen. Ein Becher geht immer herum für die Einladenden und die Gäste bekommen sogar ein eigenes Glas, so wie Abel und ich. Und es wurde genausten darauf geachtet, dass wir trinken. Sonst hieß es, die Mamita solle doch trinken. War das Glas leer, so wurde es wieder aufgefüllt. Ich habe bestimmt 1 L Cola trinken müssen in der Stunde, dabei konnte ich die schon vorher nicht mehr sehen. Sonntag geht es weiter mit Cola trinken, um 8h ist ein weiteres Treffen zum Stadtteil Sabado Baratillo, diesmal kommen alle Interessierten und es werden weitere Probleme (zum Beispiel Müll) und Wunschpläne erstellt.
Am Dienstag und Donnersatg waren zusätzlich wieder Auswärtstage. Dienstag ging es ins Barrio Santigao. Dieser Teil Cuscos hat neben der Armut und der Hanglage damit zu kämpfen, dass es nur verseuchtes Wasser hat. Dies kommt durch sich darüber befindenden Müll. Da man aber nicht das Geld hat sich Trinkwasser zu kaufen, wird das Wasser trotzdem zum kochen verwenden und oder Regenwasser gesammelt. Man segnet es und hat Rituale, die wohl kaum helfen werden… Die Konterminierung führt dazu, dass die Menschen im Quartier um einiges ungesünder sind und auch die Lebenserwartung geringer ist. Krankheiten sind beispielsweise Krebs.
Am Donnerstag fuhren wir etwa 1 Stunde raus aus der Stadt Cusco nach Punacancha, einem kleinen Dorf in den umliegenden Bergen auf etwa 4000. Das erste was hier sofort auffiel war die unglaubliche Stille, nur Lamas, Schaffe oder Schweine waren vereinzelt wahrzunehmen. Auch hier besuchten wir Familien und schaute ihre Wohnungen an, vor allem in Bezug auf Regenschäden. In den Häusern viel gleich auf, dass obwohl die Familien noch ärmlicher lebten, war es viel hygienischer und durchdachter. Die runter gekommenen Küchen der Stadt beispielsweise vermittelten oft eine Überforderung mit der Technik. Hier auf dem Land gab es Lehmöfen, die zusätzlich das Nutzwasser durch ein durchlaufendes Rohr erhitzen. Die Küchen waren sauber und und ich konnte nichts heruntergekommendes finden. Zusätzlich erledigte das fehlende Netz Internet, Telefon und Handy. Man lebte so sehr einfach, aber es scheint seit Jahren oder gar Jahrhunderten so zu funktionieren.
Ein Schwierigkeit die sich uns stellte war es, dass die meisten kein spanisch, sondern nur Quechua sprachen. Aber unser Anthropologe der immer im Team dabei ist, konnte uns aushelfen. Und ein freundlicher Mann, der heute Geburtstag hatte begleitete uns auf unserer Dorftour und half aus. Nach dem Rundgang lud er uns noch zu ganz wunderbar leckeren Kartoffeln ein. Während wir aßen hatten wir das Vergnügen zu sehen, wie man Cuiś (Meerschweinchen) schlachtet, rupft und zubereitet. Die haben vielleicht gequikt… aber das war schnell vorbei! 😉
Ein Nachtrag,  Hier gibts die Fotos von gerupften Meerschweinchen und aus den Vierteln Cuscos.