Eingelebt

2 05 2011

Wir sind endlich online und somit wird es wieder Zeit für einen Blogeintrag.
Seit 2 Wochen wohnen wir nun in unsere eigenen Wohnung: 3 Zimmer, Küche, Bad. In einem typischen peruanischem Neubau: Die Beton-Decke über uns ist gleichzeitig Dach und die Bewährungsstäbe schauen auch fröhlich raus. Zudem haben wir nicht immer Wasser (es hat sich schon gebessert: Zu Anfangs hatten wir nur 4-9a.m. Wasser… inzwischen außer Nacht und paar Stunden mittags quasi immer…Zudem ist es kalt wie in anderen peruanischen Häusern: Außentemperatur. Das heißt wir Schlafen mit langer Unterwäsche, Socken und gegebenenfalls einer Mütze, trotz 2 Alpaka-Decken. Naja und das Klo ist auch wie alle Klos… die Kanalisation ist zu schwach um das Papier zu verkraften (das kommt in den Mülleimer) und es verstopft einmal die Woche… aber wir haben den Luxus einer Klobrille… Ja das ist unsere Wohnung, da sie nur teilmöbiliert ist, ist es etwas leer, aber wir machen es uns schon gemütlich. Und unsere Dusche ist auch der reinste Luxus… da es hier keine Fernwärmeversorgung gibt, wird das Duschwasser elektrisch erhitzt. Normalerweise schaffen diese Erhitzer nur Tropfen zu wärmen, aber bei unserer könnte man schon fast von Wasserdruck reden, man spürt zumindest das Wasser und es ist trotzdem noch warm!!
Der erste Monat Praktikum ist um! Mein Spanisch wird langsam besser und die erste Runde Projektbesichtigung ist vorbei. Morgen startet unsere zweite Runde, das heißt wir werden die gleichen Häuser wieder besuchen und schauen was sich getan hat. Nach unseren letzten Besichtigungen wurden Lösungsvorschläge ausgearbeitet und Ingenieure und Arbeiter zu den Häuser geschickt. Zudem gab es das Angebot an weiteren Programmen teilzunehmen. Ich bin gespannt.
Im Büro habe ich meine Stadtteilplanung soweit abgeschlossen, ich sollte sie Freitag präsentieren… wurde dann doch auf den heutigen Montag verschoben. Heute war das halbe Büro leer, 2 von den 3 Architekten denen ich es vorstellen sollte waren nicht da. Der 3. war in einer Besprechung… Und ab dem Mittag war dann frei, „Tag der Arbeit“! Die Peruaner oder Architekten… schlechte Mischung jedenfalls!
Neben dem Plan habe ich noch von Abel eine Rohfassung einer Informationsbroschüre bekommen, die ich mir anschauen und für die ich Verbesserungsvorschläge ausarbeiten soll: „Ratgeber zur Verbesserung der Stadtquartiere in der Stadt Cusco“. Der Ratgeber führt immer negatives/ Risiken und positiven/Verbesserungsvorschläge zu den Problemen der Stadt auf. Themen sind Allgemeines (Umgang mit Müll und dem Stadtteil), Okkupation (informelle Grundstücksbesetzung und Bebauung), Verkehrswege (schlechter Zustand), Freiflächen (Müllprobleme die zu kontaminiertem Wasser führen), Regenwasserabfluss (fehlende Kanalisation/ Drainagen), Konstruktion und Fassaden (offene Bewährung, fehlerhafte Konstruktionen und schlechte Qualität der Häuser).
Der Ratgeber wird direkt für die Bevölkerung erarbeitet, weswegen er mit vielen Bildern und Beispielen versehen ist. Zudem wird versucht ein sehr einfaches Spanisch zu schreiben, da besonders die ärmeren Indigenas Quechua sprechen und nicht oder nicht sehr gut schreiben können. Die Arbeit an dem Ratgeber interessiert mich sehr.
Ansonsten waren wir das Osterwochenende/ Semana Santa in Arequipa und dem Colca Canyon unterwegs. Die Stadt Arequipa war sehr schön und warm. Der Canyon war auch schön, aber davon konnten wir mit unserer Ein-Tages-Wir-Sitzen-Den-Ganzen-Tag-Im-Bus-Tour nicht so viel sehen leider… nur andere Touristen, die konnten wir sehen!
Bilder gibt es hier von den letzten Arbeitsausflügen und hier von Arequipa und dem Colca Canyon (übrigens doppelt so tief wie der Grand Canyon).

Nach nun 1 Monat Perú beziehungsweise 2 Monaten Südamerika wird es Zeit für eine kleine Pro und Contra Liste, was mir gefällt und was nicht:

Contra:
-die blöden Alpaka Decken fusseln…ich besitze nur noch pastell-farbende Kleidung
– hier gibt es viel zu viele Hunde: In der Stadt kleffen sie dich nur an, auf dem Land fallen sie dich an, so dass wenn ich mit den 4-5 Ingenieuren/Architekten unterwegs bin gerne mal als Frau in die Mitte genommen werden, die Männer bewaffnet mit Stöcken und Steinen. Die Hunde sind echt nicht lustig und in die Fahrzeuge springen sie auch noch! und überall liegt Hundeschei*e!
– die Peruaner schießen andauern, selbst jetzt nach 23h noch. Wie Silvester, nur nerviger
– Peruanische Geschäfte besitzen das reinste Chaos! Ich brauche Stunden um etwas zu finden
– Peruaner haben kein Gefühl dafür wann sie im Weg stehen: Im Laden, an der Kasse, auf den Gehwegen, eigentlich überall.

Pro:
– Die Kultur und Sprache der Indigenas fasziniert mich
– viel Knofi im Essen
– Die Anden sind toll
– Chicha Morada (schwarzes Mais Getränk)
– vieles ist so toll günstig
– handeln
– keine deutschen Spießbürger-Regeln
– der 8 Stunden Arbeitstag ist toleranter als der Deutsche

… wird weitergeführt